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2 alte wei(s)se Männer

2 alte wei(s)se Männer

Written by: Kirchberg & Reinhard
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Sie nennen sich selbstironisch „2 alte weis(s)e Männer“, die noch etwas zu sagen haben: Dr. Thomas Kirchberg, bis zu seinem Ruhestand Vorstandsmitglied eines Industrieunternehmens, und Michael Reinhard, zuletzt 21 Jahre lang Chefredakteur der Main-Post in Würzburg. In ihrer aktuellen Mutmacher-Staffel geht es jeden Freitag um das, was in aufgewühlten Zeiten besonders kostbar ist: Orientierung, Zuversicht und Mut. Wo liegen Lösungen? Was macht Mut? Was gibt konkreten Anlass zur Zuversicht? Antworten darauf suchen die beiden alten wei(s)sen Männer bei Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die klug einordnen, Orientierung geben – und für die eine hoffnungsvolle Zukunft keine Utopie ist. Wir lehnen Häme und Verunglimpfung gegenüber Andersdenkenden ab und werben für Respekt, Toleranz und Offenheit.Thomas Kirchberg und Michael Reinhard Economics Social Sciences
Episodes
  • Andreas Wirsching: Warum Krisen neue Kräfte freisetzen
    Feb 19 2026

    Wir leben in einer Zeit der „Polykrise“: geopolitische Machtverschiebungen, autoritäre Tendenzen, rechtsextreme Bewegungen, gesellschaftliche Verunsicherung. Doch ist unsere Lage wirklich beispiellos?

    In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen wir mit Professor Andreas Wirsching, einem der renommiertesten Zeithistoriker Deutschlands. Bis 2025 war er Inhaber des Lehrstuhls für Neueste Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München–Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte reichen von der Weimarer Republik über Nationalsozialismus und Kommunismus bis hin zur europäischen Geschichte der Gegenwart .

    Jede Generation erlebt ihre Krisen

    Wirsching ordnet die Gegenwart historisch ein:

    Das 20. Jahrhundert war geprägt von Weltkriegen, Diktaturen, Systembrüchen – und dennoch entstanden immer wieder neue demokratische Ordnungen.

    Ein zentrales Leitmotiv seiner Analyse: Freiheit.

    Individuelle und kollektive Freiheitsversprechen seien entscheidende Kräfte der Krisenbewältigung gewesen – von der Zwischenkriegszeit über den demokratischen Neuanfang nach 1945 bis zur europäischen Integration .

    Weimar, NS, Neubeginn – und die Ambivalenzen

    Wir sprechen über:

    • warum Weimarer Krisenbewältigung häufig von extremen Kräften geprägt war

    • weshalb nach 1945 sowohl beeindruckende Resilienz als auch problematische Kontinuitäten entstanden

    • wie jüdisches Leben in Deutschland trotz der Shoah neu entstand

    • warum auch die DDR nicht nur Unterdrückung, sondern reale Zukunftshoffnungen kannte

    Wirsching zeigt: Geschichte verläuft nicht linear. Sie ist geprägt von Gegensätzen, Brüchen – und von der Fähigkeit, neue Kräfte freizusetzen .

    Demokratie ist verletzlich – aber nicht wehrlos

    Besonders eindringlich wird er beim Blick auf die Gegenwart:

    Demokratien sterben nicht automatisch – sie verlieren, wenn Bürgerinnen und Bürger Verantwortung delegieren und an den eigenen Untergang glauben.

    Seine Botschaft:

    Keine Toleranz für Intoleranz.

    Mehr Eigenverantwortung.

    Mehr Bewusstsein für den Wert der Freiheit.

    Denn was einmal verloren ist – Rechtssicherheit, Freiheit, demokratische Strukturen – kehrt nicht automatisch zurück.

    Was macht Hoffnung?

    Wirsching vertritt ein dialektisches Geschichtsverständnis:

    Krisen setzen auch neue Kräfte frei.

    Gegensätze können Vitalität erzeugen.

    Europa könne aus der aktuellen Weltlage sogar gestärkt hervorgehen – wenn es seine Integration als gemeinsames Interesse begreift .

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    49 mins
  • Claudia Kemfert: Energiewende zwischen Realität und politischer Blockade
    Feb 12 2026

    Die Klimakrise schreitet voran – schneller, spürbarer, kostspieliger.

    Doch während die Warnungen immer deutlicher werden, scheint das Tempo der politischen und gesellschaftlichen Umsetzung nicht Schritt zu halten.

    In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen wir mit Prof. Dr. Claudia Kemfert, einer der renommiertesten Energieökonominnen Deutschlands.

    Claudia Kemfert ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) sowie Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Leuphana Universität Lüneburg. Seit Jahrzehnten analysiert sie die ökonomischen Folgen des Klimawandels und die Potenziale der Energiewende. Sie berät Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und gilt als eine der prägendsten Stimmen in der deutschen Klimadebatte.

    Kemfert macht deutlich:

    Wir haben kein Erkenntnisproblem – wir haben ein Umsetzungsproblem.

    Im Strombereich stammen bereits über 60 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen. Doch in Wärme, Verkehr und Industrie hakt es. Genehmigungen dauern zu lange, alte fossile Strukturen bremsen, politische Debatten verlieren sich in Symbolfragen.

    Wir sprechen über:

    • warum erneuerbare Energien langfristig günstiger sind

    • weshalb der Industriestrompreis nur ein Pflaster ist

    • warum grüner Wasserstoff kein Allheilmittel ist

    • welche Rolle Energieeffizienz spielt

    • und wie Energiewende sozial gerecht gelingen kann

    Mutmacher-Perspektive

    Was gibt Hoffnung?

    · Technologische Fortschritte

    · steigende Investitionen in erneuerbare Energien weltweit

    · wachsende Bürgerenergie

    · Kommunen mit 100 % Erneuerbaren

    · Menschen, die Teil der Lösung sein wollen

    Ihr Fazit:

    Hoffnung entsteht nicht aus Wunschdenken.

    Sondern aus Wissen.

    Wir haben die Technologien.

    Wir haben die Lösungen.

    Wir müssen sie nur schneller umsetzen.

    Kemfert zeigt: Klimaschutz ist nicht Verzicht – sondern ökonomische Vernunft, Innovationsmotor und Stabilitätsfaktor für Demokratie und Wohlstand.

    Ein Podcast-Gespräch über Tempo, Verantwortung und die Frage, warum wir längst weiter sein könnten.

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    37 mins
  • Gregor Peter Schmitz: Medienkrise, Polarisierung und die Widerstandskraft der Demokratie
    Feb 5 2026

    Wie zerfasert eine Gesellschaft?

    Und welche Rolle spielt der Journalismus dabei – im Guten wie im Problematischen?

    In dieser Folge unserer Mutmacher-Staffel sprechen wir mit Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur des stern, über die wachsende Polarisierung in westlichen Demokratien, die wirtschaftlichen Herausforderungen des Journalismus und die Frage, wie Medien ihrer demokratischen Verantwortung gerecht bleiben können.

    Schmitz hat viele Jahre in den USA gelebt und gearbeitet – und beobachtet mit Sorge, wie stark sich das Land weiter gespalten hat. Entwicklungen, die er dort früh wahrnahm, erkennt er inzwischen auch in Deutschland: ideologische Verhärtungen, wachsender Hass in Debatten und ein zunehmendes Misstrauen gegenüber etablierten Medien.

    Medienkrise: Technikproblem oder Strukturfrage?

    Im Gespräch geht es um die strukturellen Ursachen der sogenannten Medienkrise:

    – massive Auflagenverluste im Printbereich

    – digitale Transformation

    – Abhängigkeit von Plattformen wie Google und Meta

    – wirtschaftlicher Druck auf Redaktionen

    Schmitz widerspricht jedoch der These, Qualitätsjournalismus sei grundsätzlich im Niedergang. Er sieht vielmehr eine Neujustierung: Wenn KI standardisierte Inhalte übernimmt, entsteht Raum für das, was Journalismus einzigartig macht – Recherche, Einordnung, persönliche Gespräche und investigative Arbeit.

    Fehlerkultur, Corona und Flüchtlingsdebatte

    Selbstkritisch spricht Schmitz über Versäumnisse der Medien – etwa in der Corona-Berichterstattung oder in der Flüchtlingsdebatte, wo die Bandbreite der Perspektiven teilweise zu spät abgebildet wurde.

    Journalismus sei nicht unfehlbar, aber lernfähig. Transparenz, offene Fehlerkultur und Nähe zu Leserinnen und Lesern seien entscheidend für Vertrauen.

    „Lügenpresse“, AfD und der Mut zur Auseinandersetzung

    Wie geht man als Redaktion mit dem Vorwurf der „Lügenpresse“ um?

    Schmitz plädiert für Standfestigkeit: Meinungen sind frei – Fakten nicht. Medien müssten sich auch mit radikalen Akteuren auseinandersetzen, ohne ihnen unkritisch eine Bühne zu bieten. Mutiger Journalismus bedeute, Kritik von allen Seiten auszuhalten.

    Finanzierung von Qualitätsjournalismus

    Ob Stiftungsmodelle, private Eigentümer oder neue Erlösmodelle – Schmitz zeigt sich offen für verschiedene Wege, warnt jedoch vor staatlicher Einflussnahme. Unabhängiger Journalismus müsse finanziell tragfähig sein, ohne politisch vereinnahmt zu werden.

    Was gibt Zuversicht?

    Trotz aller Herausforderungen bleibt Gregor Peter Schmitz optimistisch.

    Er verweist auf die Stabilität demokratischer Institutionen in Deutschland und auf die historische Perspektive: Krisen gehören zur Geschichte – aber ebenso die Fähigkeit von Gesellschaften, sich zu erneuern.

    Eine Folge über Medienvertrauen, Polarisierung, KI, Demokratie und die Frage:

    Wie bleibt Journalismus widerstandsfähig – und warum lohnt es sich, ihm weiterhin zu vertrauen?

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