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Chlorgesänge

Chlorgesänge

Written by: Ute Zill Martina Schrey
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Wir sind Schwimmerinnen. Wir waren beide mal im Schwimmverein, aber das ist lange her. Bis vor kurzem schwammen wir so wie die meisten – ab und zu, wenn es gerade passt. Doch dann entdeckten wir die Jahreskarte der Berliner Bäderbetriebe – und stellten fest: Berlin hat ja über 60 Schwimmbäder! Schnell stand fest: Die durchschwimmen wir alle! Und zwar in einem Jahr. Gesagt, getan. Was uns beim Bahnen ziehen durch den Kopf geht und warum wir meinen, dass schwimmen nicht nur überlebenswichtig, sondern ein großartiges Abenteuer ist – darum geht es hier!Ute Zill, Martina Schrey Water Sports
Episodes
  • Folge 144: Die Paralympics im Blick
    Feb 18 2026

    Mit unserem heutigen Gast haben wir vor einem knappen Jahr schon einmal gesprochen (Folge 107): Janis McDavid. Damals haben wir ihn als Popstar begrüßt, denn wenn Janis irgendwo auftaucht, starren ihn viele Menschen an wie einen Popstar, hat er selber mal erzählt. Der Grund: Janis hat weder Arme noch Beine. Und trotzdem hat er - was er selber nie für möglich gehalten hätte - im Jahr 2024, im Alter von 33 Jahren, das Schwimmen gelernt.

    Diesmal begrüßen wir ihn als Supermann. Denn Janis kann mittlerweile nicht nur super schwimmen: Er ist 6-facher Deutscher Rekordhalter, 3-facher Deutscher Kurzbahn-Meister im Brustschwimmen und hat bei den internationalen Deutschen Meisterschaften 2025 eine Silbermedaille erschwommen. Natürlich kommt er gerade vom Training - und hat mal eben auf 100 Meter Rücken eine persönliche Bestzeit geschafft.

    Sieben bis neun Trainingseinheiten absolviert er pro Woche, jeweils rund anderthalb Stunden, außerdem macht er noch Krafttraining, vor allem für den Rumpf - denn der hilft ihm hauptsächlich, im Wasser vorwärts zu kommen. Obwohl Janis mittlerweile echt Spitze ist - finanziell gefördert wird er nicht. Eher müsse er noch in seine Leidenschaft investieren, erzählt er. Allein schon wegen des enormen Badehosen-Verschleisses: Weil Janis keine Beine hat, bewegt er sich mit dem Po über den Schwimmbad-Boden. Da wäre ein Spoinsor schon gut. Vielleicht hat jemand eine Idee?

    Zum Glück ist Janis als Speaker und Influencer und Vermarkter seines Buches „All inclusive“ zeitlich relativ flexibel. Wenn er durch die Republik reist, um Vorträge zu halten, muss das Training auch mal zurückstehen. Aber der Adrenalinschub, den das Schwimmen bei ihm auslöst, hat ihn nach wie vor im Griff und es macht ihm großen Spaß, immer wieder gegen sich selbst anzutreten.

    Mittlerweile ist er nicht mehr im Landeskader Bayern, sondern schwimmt unter der Berliner Flagge. Sind die Paralympics 2028 in Los Angeles sein Ziel? Janis wäre nicht Janis, wenn das nicht der Fall wäre. Aber das ist gar nicht so einfach. Denn abgesehen davon, dass er seine Zeiten dafür dann doch noch um einiges verbessern müsste: In seiner Startklasse ist das Angebot an internationalen Wettkämpfen sehr schmal. Zur Zeit gibt es da nur 50 und 100 Meter Rücken - und das ist gerade eben nicht die Paradedisziplin von Janis.

    Aber natürlich lässt er sich davon nicht erschüttern - gerade probt er mit seinem Trainer eine neue Rückenschwimm-Technik. Denn er hat schon Lust auf die Paralympics, will sein Ziel aber auch nicht zu hoch stecken. Klassisches Understatement, würden wir sagen! Ein anderes Ziel hat er im letzten Sommer schon geschafft: Einmal den Starnberger See durchschwimmen. Die 2,4 Kilometer hat er in einer Stunde, 31 Minuten und 26 Sekunden geschafft. Eine sensationelle Leistung, finden wir, aber typisch Janis: Er hätte es schon gern unter anderthalb Stunden geschafft.

    Jetzt wird er erstmal im Februar beim Berolina-Cup mitschwimmen - und im Mai an den internationalen Deutschen Meisterschaften in Berlin teilnehmen. Da hofft er darauf, dass er dann auch eine internationale Klassifizierung bekommt. Wir drücken fest die Daumen!












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    35 mins
  • Bestimmt verpasst: Die trüben Seiten des Schwimmsports
    Feb 11 2026
    Gerade ist mal wieder Olympia - wir beide haben im Moment allerdings allenfalls Ringe unter den Augen. Deshalb gibt es heute leider keine aktuelle Folge ... Allerdings ist Olympia - auch die Winterolympiade - eine gute Gelegenheit, an die unlauteren Machenschaften zu erinnern, die sich oftmals hinter den Kulissen des Sports abspielen. Deshalb wiederholen wir diese Woche die ausgesprochen spannende Folge zum Doping im Schwimmsport:Wir sprechen mit einem Kollegen - einem ⁠Investigativ-Journalisten⁠, vor dem sich Funktionäre, Verbände und auch Sportler in der ganzen Welt fürchten. Hajo Seppelt hat international und national maßgeblich zur Aufdeckung von Dopingvergehen beigetragen und dafür zahlreiche Preise bekommen. Angefangen hat der einstige Berliner Jahrgangsmeister im Brustschwimmen 1985 als Sportreporter beim Sender Freies Berlin, von 1992 bis 2006 war er Live-Kommentator für das ARD-Fernsehen bei Schwimmwettkämpfen, war unterwegs bei Olympia, Europa- und Weltmeisterschaften.Schon damals hat er sich mit dem Thema Doping befasst. 1997 erschien sein Film „⁠Staatsgeheimnis Kinderdoping ⁠- Doping-Täter und -Opfer des DDR-Schwimmsports“. Gleichzeitig kommentierte er immer noch Schwimm-Wettkämpfe - und merkte zunehmend, wie sehr ihm die reine Ergebnis-Berichterstattung auf die Nerven ging. Aus seiner Sicht gab es viel mehr zu erzählen über die Sportler - aber vor allem auch über die Geschäftemacher, Ärzte und Verbände, die am Sport verdienen. Und mitunter tatsächlich auf ALLES setzen, damit am Ende eine Medaille, ein Sieg dabei herauskommt. Auch auf Doping. Ein mitunter lebensgefährliches Mittel zum Zweck.Hajo ist ein Typ, der macht, was er für richtig hält. Eine öffentlich gewordene privaten E-Mail, in der er die unkritische Sport- und Doping-Berichterstattung der ARD kritisierte, so erzählt es Seppelt, führte 2006 dazu, dass er nicht mehr von Wettkämpfen berichten durfte. Gebremst hat ihn das nicht. Beim WDR baute er eine Doping-Redaktion auf, seitdem ist er in Sportsendungen, Nachrichtensendungen und Magazinen sowie als Autor von Dokumentationen zum Thema Doping zu sehen, mittlerweile hat er auch eine eigene Produktionsfirma.Aber kann man es einem Sportler verdenken, wenn er alles versucht, um noch schneller, besser, toller zu werden? Anders als früher, sagt Seppelt, kann er den einzelnen Sportler mitunter verstehen. Der Druck sei immens, die Medien machen zusätzlich Stimmung. Ihn ärgern vor allem die großen Verbände, die mitmachen, vertuschen und mit dem Risiko der Sportler ihr Geld verdienen. Besonders schlimm sei dies, weil auch die ⁠WADA⁠, die internationale Anti-Doping-Agentur häufig nicht wirklich hinschaue. Dabei ist sie dafür da, Doping zu verhindern.Eigentlich, sagt Seppelt, sei Doping alles, was man dem Körper zuführt, um bessere Leistungen zu erzielen. Offiziell - und damit offiziell verboten - ist alles, was auf der ⁠Doping-Liste⁠ der ⁠Anti-Doping-Agenturen⁠ stehe, sei das nun Doping mit sauerstoffangereichertem Eigenblut, Anabolika, Hormone oder Medikamente wie Trimetazidin.Das war im April 2024 bei 23 chinesischen Schwimmern nachgewiesen worden. Angeblich hatten sie im Hotel verunreinigtes Essen zu sich genommen. Die WADA akzeptierte diese Erklärung zunächst - und Hajo zeigte in seinem ⁠Film⁠, dass diese Begründung sehr unwahrscheinlich - aber vor allem nie wirklich überprüft worden sei. Übrigens: Wer glaubt, nur in China, Russland oder den ehemaligen Ostblockstaaten werde gedopt, der irrt. Doping im Sport gibt es überall. Im Herbst 2025 wird Hajo einen Film über Kinderdoping im Sport in aller Welt veröffentlichen. "⁠Geheimsache Doping⁠" heißt der Podcast, der er zusammen mit seiner Kollegin Kerstin Hermes macht. Bereits 2019 hat er das Buch „⁠Feinde des Sports⁠“ veröffentlicht, in dem er über die Hintergründe seiner mitunter sogar gefährlichen Arbeit berichtet. Er selbst geht mittlerweile zu keinen (Schwimm-)Wettkämpfen mehr. Den Spaß daran habe er schon lange verloren.
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    55 mins
  • Folge 143: Im Zweifel - Badekappe streicheln
    Feb 4 2026

    Es ist Anfang Februar - und wir machen Schwimmbadferien. Was in unserem Fall heißt: Ferien vom Schwimmbad. Denn die eine von uns wird ihre Erkältung nicht los, die andere hat eine sehr unschöne Begegnung mit gefrorenem Wasser gehabt und muss jetzt erstmal ihre schmerzenden Rippen schonen.

    Ans Schwimmen und ans Schwimmbad denken wir natürlich trotzdem, zumal Ute gerade aus Island zurück ist und dort natürlich auch die herrliche isländische Schwimmkultur genossen hat: Ordentlich einseifen vor dem Schwimmen und dann ganz geordnet ihre Bahnen ziehen können. Was vielleicht damit zu tun hat, dass es in Island so viele Schwimmbäder gibt und die deshalb niemals wirklich voll werden, Gedränge also gar nicht erst entsteht - ganz anders als bei uns.

    Und schon sind wir beim Thema. Warum klappt das Miteinander auf den Bahnen so häufig nicht? Oft gibt es schlicht zu wenig. Und dann steht da vielleicht mal ein Schild mit „Schnellschwimmerbahn“ - aber was ein Schnellschwimmer ist, beurteilt ja auch jeder und jede anders. Wir jedenfalls checken immer erstmal ab, wie schnell die Schwimmer:innen so auf der jeweiligen Bahn eigentlich sind, bevor wir uns eine aussuchen. Und auch, wie wir selber an dem Tag drauf sind. Eher gemütlich? Dann sind die Schnellschwimmer:innen heute eher nichts für uns. Oder doch mal wieder ein bisschen auf die Tube drücken? Dann sollten wir uns aber trotzdem nicht gleich mit den trainierten Vereinsschwimmer:innen messen.

    Allerdings - und das kennt wohl jeder und jede - das machen längst nicht alle so. Man kann fast drauf schwören: Da hat man sich auf einer Bahn mit mehreren anderen gerade so richtig gemeinsam eingezirkelt - schon steigt garantiert jemand ein, der entweder wesentlich schneller oder deutlich langsamer ist. Und schon gibt´s Stress. Auch der Ort, wo Schwimmer:innen zwischendurch mal ein Päuschen machen, sollte mit Bedacht gewählt sein: Wer am Beckenrand mal kurz verschnaufen will, sollte das niemals in der Mitte tun, sondern immer in der Nähe der Leine - damit die anderen auch weiterhin gut wenden können.

    Was wir auch niemals verstehen werden - Menschen, die, wenn sie überholt werden, erst recht mittig schwimmen, statt leicht nach rechts auszuweichen. Würde es doch allen deutlich leichter machen. Oder auch am Beckenrand jemanden vorlassen, der schneller schwimmt - macht den oder die andere glücklich und selbst hat man absolut null Nachteil.

    Deswegen haben wir kurzerhand mal fünf goldene Regeln aufgestellt:

    1. Immer rechts im Kreis schwimmen

    2. Beim Überholtwerden leicht nach rechts schwimmen und Platz machen

    3. Am Beckenrand niemals in der Mitte einer Bahn verschnaufen, sondern an der Leine.

    4. Schnellere Schwimmer einfach vorlassen

    5. Und wenn gar nichts mehr hilft: Die eigene Badekappe streicheln und einfach mal kurz durchatmen!

    Übrigens - so mancher fragt sich vielleicht, warum die Bademeister auf den Bahnen nicht für Ordnung sorgen. Aber mal ganz ehrlich: So schwer ist es ja nicht, was man beachten sollte. Das kriegen wir auch alleine hin, oder?

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    31 mins
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