Stunde Null - Digitale Zeitenwende cover art

Stunde Null - Digitale Zeitenwende

Stunde Null - Digitale Zeitenwende

Written by: Oliver Rößling Prof. Dr. Henning Vöpel und Wilbert Hirsch
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Drei Köpfe, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf aktuelle und neue Themen schauen und doch immer wieder zusammenfinden. Die Gesellschaft befindet sich in einem Wandel, wie es ihn so noch nicht gegeben hat. Die digitale Zeitenwende steht ins Haus und jeder steht in ganz unterschiedlicher Weise dieser Herausforderung gegenüber. Henning, Oliver und Wilbert teilen ihre Erfahrung und Meinungen ganz offen und unverblümt mit ihrer Hörerschaft, reißen gelegentlich ideologische sowie interdisziplinäre Silogrenzen ein und philosophieren über künftige oder alternative Entwicklungen und Trends.Oliver Rößling, Prof. Dr. Henning Vöpel und Wilbert Hirsch Economics
Episodes
  • Krisenmodus ⚠️ Deutschland: Ohne Schmerz kein Fortschritt
    Jan 5 2026

    In der Weihnachts- und Jahresabschlussfolge 2025 von „Stunde Null“ ziehen die drei Hosts eine ernüchternde Bestandsaufnahme: Wirtschaft, Politik und Verwaltung wirken blockiert, es fehlt das Gefühl, dass es wirklich vorangeht. Der zentrale Gedanke kreist um die Frage nach der „Stunde Null“ - also dem Punkt, an dem echte Erneuerung beginnt. Provokant formuliert: Braucht es erst einen richtigen Zusammenbruch, bevor sich etwas grundlegend ändert, oder schaffen wir es, vorher einen Kurswechsel hinzubekommen?

    Ein zentrales Motiv ist das fehlende „Licht am Ende des Tunnels“. Hoffnung wird als entscheidender Faktor beschrieben, weil sie Verhalten verändert: Wer Perspektive sieht, plant, investiert und denkt langfristig. Fehlt diese Perspektive, lebt man im Krisenmodus von Tag zu Tag. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff „Resilienz“ kritisch gesehen - oft bedeute er nur, sich an schlechte Zustände zu gewöhnen, statt sie zu verändern. Resilienz könne aber auch heißen, trotz negativer Dauerreize handlungsfähig zu bleiben.

    Sehr konkret wird die Kritik am deutschen Innovations- und Kapitalmarkt: Risikokapital ist extrem vorsichtig, viele Investoren wollen erst ein funktionierendes Geschäftsmodell mit Umsatz sehen. Für Startups ist das paradox und bremst Erneuerung. Gleichzeitig droht ein Ausverkauf, weil Kapital aus Saudi-Arabien, China oder Dubai in Europa investiert, während heimische Akteure zögern.

    Als strukturelle Ursachen sehen sie Bürokratie, Föderalismus und eine Politik, die in kurzen Legislaturperioden denkt. Echte Reformen brauchen längere Horizonte. Historisch seien große Veränderungen oft erst durch massive Krisen ausgelöst worden - die unbequeme Frage lautet daher, ob Europa erst an den Rand gedrängt werden muss, bevor es handelt.

    Die Diskussion streift auch Ethik, Demokratie und Protestwahl: AfD-Wähler pauschal als unmoralisch abzustempeln sei falsch, viele handelten aus Frust und Perspektivlosigkeit. Gleichzeitig zeigt sich ein gefährliches Dilemma, wenn demokratische Korrekturmechanismen nicht mehr greifen und Extreme attraktiver werden.

    Zum Schluss bleibt trotz allem ein Rest Optimismus: Unerwartete Dynamik („Emergenz“) ist möglich, neue Generationen könnten Bewegung bringen. Weihnachten wird als kurzer Moment des Innehaltens gesehen - mit der Hoffnung, dass danach mehr Mut zur Veränderung entsteht.

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    41 mins
  • KI 🤖, Klone 👥 & Kontrollverlust – warum Echtheit zum neuen Luxus wird
    Dec 9 2025

    Zwischen Weinflasche und Weltlage gehen wir der Frage nach, wohin das alles führt: von geopolitischen Machtspielen, Narrativen à la „Follow the Money“ und Plattformen wie X bis hin zu einer Gesellschaft, in der KI-Inhalte zur neuen Normalität werden – und Echtheit plötzlich zur knappen Ressource.

    Wir sprechen darüber, wie geschickt politische Narrative gebaut werden, warum viele Menschen sich vom kapitalistischen System abgehängt fühlen und wie Medienmacht und Plattform-Ökonomie unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit verschieben. Ein roter Faden: Wer das Narrativ kontrolliert, kontrolliert zunehmend auch Macht.

    Im zweiten Teil drehen wir stark ins KI-Thema:
    Ein selbst geschriebener Song mit KI-Stimme wird zum Testfall für Authentizität. Wir diskutieren Skepsis gegenüber KI-generierten Inhalten, Kennzeichnungspflichten, GEMA, AI-Slop und die Gefahr, dass das Netz sich mit mittelmäßigen KI-Inhalten selbst zuschüttet. Gleichzeitig zeigt sich: KI als „Sidekick“ macht Schreiben und Denken oft strukturierter und effizienter – ersetzt aber nicht den eigenen Kopf, sondern verschiebt, wie und wo wir denken.

    Ein weiteres Motiv ist die wachsende Bedeutung von Imperfektion: Rechtschreibfehler als Echtheitsmerkmal, schräge Töne in der Musik, Unschärfen in der Kunst – all das gewinnt an Wert, je glatter KI-Ergebnisse werden. Wir sprechen über KI-Bands, zukünftige Trennung in „KI-Charts“ und „Human-Charts“ und darüber, warum ein Gesicht, eine Biografie und eine erlebbare Person hinter einem Werk für viele unverzichtbar bleiben.

    Zum Schluss wird es futuristisch: digitale Zwillinge, Lifelogging-Devices und die Idee, nach dem Tod als trainiertes Modell weiter mit den Enkeln „reden“ zu können. Daraus entstehen Fragen nach Identität, Bewusstsein und Konstruktion von Wirklichkeit: Wie weit lässt sich ein Mensch simulieren – und wo bleibt der Teil, der nur im gelebten Leben entsteht?

    Gleichzeitig zeigt sich eine starke Gegenbewegung: volle Räume bei analogen Formaten, mehr Sehnsucht nach „Meat Space“, echten Begegnungen, echten Events. KI überall – aber genau deshalb wird das Unperfekte, Analoge und Menschliche zum eigentlichen Luxusgut.

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    52 mins
  • 💀 Der große Job-Exodus: Wenn KI 🤖 Karrieren frisst⚡️
    Nov 8 2025

    Zusammenfassung

    Diese Podcast-Folge widmet sich der existenziellen Krise des deutschen Arbeitsmarkts. Die KI-Revolution und multiple Wirtschaftskrisen haben eine perfekte Sturm-Situation geschaffen, die besonders gut ausgebildete Akademiker trifft. Das Gespräch entwickelt sich von konkreten Jobängsten zu philosophischen Fragen über Bewusstsein und Empathie. Besonders brisant: Die Diskussion mündet in einer dystopischen Vision, in der KI-Kapitalismus zum Kommunismus konvergiert.

    🚨 Massenentlassungen & Strukturwandel

    Der deutsche Arbeitsmarkt erlebt eine beispiellose Krise. Selbst gut ausgebildete Akademiker finden nach monatelanger Suche keine Jobs mehr. Unternehmen führen Pauschalentlassungen ganzer Abteilungen durch, ohne Einzelfälle zu prüfen. Der "zweite China-Schock" trifft die deutsche Industrie im Automobil- und Maschinenbau, während Europa wirtschaftlich ins Abseits gerät.

    🤖 KI als Jobkiller

    Programmierer waren "die ersten", deren Job obsolet wurde. Werbefilme, die früher 500.000 Euro kosteten, entstehen heute in fünf Minuten für 100 Euro. Bereits 60-70% des Social Media Contents sind KI-generiert. Die jüngere Generation trifft es am härtesten – sie kommt gar nicht erst in Positionen hinein.

    🧠 Philosophie: Mensch vs. Maschine

    Kann KI echte Gefühle haben oder nur simulieren? KI kennt weder Tod noch Schmerz noch Angst – ihr fehlt die existenzielle Dimension. Wenn KI uns perfekt spiegelt und denselben Effekt wie menschliche Empathie erzielt – ist der Unterschied noch relevant? Besorgniserregend ist die Selbstreferenzierung: KI trainiert sich mit KI-generierten Inhalten.

    💡 Der Fachkraft-Paradox

    Exzellente Fachkräfte sollten KI nutzen, um von guter zu herausragender Arbeit zu gelangen. Ein Fehler ist der Versuch, ungeschulte Werkstudenten mit KI-Prompts Fachkräfte ersetzen zu lassen. Generalisten haben bessere Chancen als Spezialisten. Der Schlüssel: komplementär zur KI werden statt substituierbar.

    💰 Der KI-Kapitalismus & seine Folgen

    Es zeichnet sich extreme Vermögenskonzentration bei wenigen Tech-Oligarchen ab. Zuckerbergs unterirdischer Bunker wirkt wie ein Vorbote. Die These: Wenn Produktionsmittel sich selbst reproduzieren, konvergiert Kapitalismus zu Kommunismus. Mit Roboter-Sklaven braucht man keinen Tauschhandel mehr. Der Machtinstinkt bleibt jedoch – und das macht die Situation gefährlich.

    ⚠️ Existenzangst & Sinnfrage

    Was bleibt vom Leben, wenn Erwerbsarbeit wegfällt? Qualifikation wird bedeutungslos, aber wozu dann studieren? Die Gesellschaft muss lernen, Sinn außerhalb des Jobs zu finden. Es geht um die fundamentale Frage nach Selbstwirksamkeit und Bedeutung.

    🔮 Zukunftsszenarien

    Die Utopie verspricht, dass KI Ressourcenprobleme löst und Forschung um Faktor 100 beschleunigt. Die Dystopie: Wenige besitzen Roboter-Sklaven, die Masse wird überflüssig. Aktuelle Ressourcen reichen nicht für 9+ Milliarden Menschen. Grundeinkommen erscheint als logische Konsequenz. Selbst Handwerksberufe sind durch Robotik bedroht.

    🚫 Die ignorierte Revolution

    Die Politik diskutiert Rente bis 67+, ignoriert aber die KI-Revolution. Das demografische Problem verlagert sich dramatisch. Die Diskrepanz zwischen Veränderungstempo und politischer Trägheit könnte fatal werden.

    🌍 Der optimistische Kontrast

    Noch nie ging es so vielen Menschen so gut. Noch nie waren so viele so gut gebildet. Die Gesellschaft wird sozialer. Vielleicht entwickelt sich das Machtgelüst zurück, wenn Knappheit überwunden wird.

    Fazit: Nach fast 10 Jahren Podcast-Diskussionen wird es jetzt "akut" – die dystopischen Szenarien materialisieren sich schneller als gedacht.

    Die wichtigsten Themen

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    49 mins
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