Dein Handy liegt stumm neben der Kaffeetasse, das Display nach unten. 2017 ging eine Studie um die Welt, nach der schon dieser Anblick Denkleistung abzieht, ohne dass du es merkst. Ein Satz, der hängen bleibt. Nur hält er der Überprüfung kaum stand.
Der Brain-Drain-Effekt wurde zur Begründung für Ratschläge, das Handy beim Arbeiten in einen anderen Raum zu verbannen. Doch schon die Originalstudie war enger, als die Schlagzeilen klangen, die direkte Wiederholung fand nichts, und in drei Meta-Analysen bleibt kaum etwas übrig. Was dich tatsächlich Konzentration kostet, kommt nicht vom stummen Gerät, sondern aus ihm heraus.
🔬 In der Originalstudie schnitten Menschen mit dem Handy auf dem Tisch beim Arbeitsgedächtnistest schlechter ab als mit dem Handy im Nebenraum. Drei Viertel hielten sich für unbeeinflusst.
❌ Für das Handy in der Hosentasche ließ sich schon damals kein Einbruch nachweisen, und die Wiederholung mit 383 Personen in Kanada fand gar keinen Unterschied.
📉 Die meisten Studien im Feld hatten nur 5 bis 20 Prozent statistische Aussagekraft, viel zu wenig für so kleine Effekte.
🚨 Ein unbeantworteter Anruf reichte in einem Experiment, um die Fehlerquote bei einer Konzentrationsaufgabe zu erhöhen.
🧠 Im Lautlos-Modus griffen Menschen im Schnitt fast doppelt so oft zum Handy wie mit Ton.
💡 Benachrichtigungen dreimal täglich gebündelt: weniger Stress, mehr gefühlte Produktivität. Ganz abschalten brachte vor allem mehr Angst, etwas zu verpassen.
Vielleicht ist nicht dein Handy das Problem, sondern das, was es dir ständig zuruft.
*Hinweis: Die hier bereitgestellten Analysen ordnen die aktuelle Studienlage ein und ersetzen keine individuelle ärztliche, therapeutische, psychologische, ernährungsmedizinische oder physiotherapeutische Beratung.*
Quellen:
Ward, Duke, Gneezy und Bos, 2017, Brain Drain, Journal of the Association for Consumer Research, https://doi.org/10.1086/691462
Ruiz Pardo und Minda, 2022, Reexamining the brain drain effect, Acta Psychologica, https://uwo.scholaris.ca/items/1c130bb2-4b4f-4ba0-9b87-ea6a154bfe1e
Hartanto und Kollegen, 2024, The effect of mere presence of smartphone on cognitive functions, Technology, Mind, and Behavior, https://ink.library.smu.edu.sg/soss_research/3918/
Böttger, Poschik und Zierer, 2023, Does the Brain Drain Effect Really Exist?, Behavioral Sciences, https://doi.org/10.3390/bs13090751
le Roux, Parry und Feldman, 2025, Does the mere presence of smartphones impact cognition in the high school classroom?, Cyberpsychology, https://cyberpsychology.eu/article/view/40111
Stothart, Mitchum und Yehnert, 2015, The attentional cost of receiving a cell phone notification, Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, https://carystothart.com/publications/attentional-cost-cell-phone-notification
Penn State University, 2022, Turning phones on silent may increase phone checking, zu Liao und Sundar, Computers in Human Behavior, https://www.psu.edu/news/institute-computational-and-data-sciences/story/turning-phones-silent-may-increase-phone-checking
Fitz und Kollegen, 2019, Batching smartphone notifications can improve well-being, Computers in Human Behavior, https://scholars.duke.edu/publication/1402953